130 Tonnen Lebensmittel werden in der Dortmunder Tafel pro Woche bewegt. Dahinter steht eine gewaltige Logistik. Und ein System, das selbst die kritisieren, die davon abhängig sind.
Olaf Watermann sitzt in seinem Büro im Lager der Tafel-Zentrale in der Dortmunder Nordstadt. Er schließt die Tür, damit das Klappern der Rollcontainer und das Piepsen der Lkw draußen bleiben. Watermann ist Chef der Lager-Logistik bei der Tafel.
48 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern umfasst sein Team. Für viele ist die Aufgabe bei der Tafel eine Chance, wieder ins Arbeitsleben zu finden. Sie arbeiten als Fahrer der acht Kühlfahrzeuge und mehreren Transporter oder bereiten die frische Ware für den Verkauf vor.
Watermann spricht mit großer Begeisterung über seinen Job in einem besonderen Geschäft. „Jeder Tag ist anders. Und mit den Leuten hier gewinnst du einen Krieg. Es macht Spaß, vor allem, wenn man sieht, dass man Erfolg hat.“
Wie misst man Erfolg bei einer Einrichtung, deren Aufgabe es ist, Lebensmittel zu retten, die sonst im Müll landen würden, um sie an bedürfte Menschen zu verteilen?
Aus Sicht von Olaf Watermann geht es darum, „schnell und flexibel“ zu sein, wenn Großkunden überschüssige Ware melden. Ein Beispiel: Zuletzt konnten die Kunden Hot-Dog-Pakete im Tafel-Laden kaufen – ein Produkt, das sonst knapp 15 Euro kostet. Es ist nicht überlebensnotwendig – aber für viele ist es ein Highlight, das sonst nicht möglich wäre.
Die Hotdogs kommen nur hier an, weil Watermann und sein Team schnell reagiert haben. „Man muss dann auch spontan sein, sonst geht es an die Konkurrenz.“
In Dortmund gibt es ein funktionierendes Netzwerk aus großen Partnern der sozialen Einrichtung. Das macht die Dortmunder Tafel zu einem wichtigen Faktor in der Region.
Große Lagerflächen im Stadtteil Wickede ermöglichen es, auch andere Zweigstellen mitzuversorgen. Dortmund ist die größte Verteiler-Tafel in NRW. „Es weiß kaum jemand, was für ein Aufwand dahintersteht“, sagt Olaf Watermann.
Mittlerweile gebe es kaum ein Produkt, das nicht schon einmal im Laden hätte angeboten werden können. Das deckt zugleich auf, dass so etwas wie die Tafel nur möglich ist, weil es ein aus dem Ruder gelaufenes Überfluss-System im Lebensmittel-Handel gibt.
Olaf Watermann bekommt mit, wie Transporter teilweise direkt aus Spanien auf dem Hof der Zentrale an der Straße Osterlandwehr vorfahren. Obst und Gemüse wären nach Tausenden Kilometern Fahrt wegen kleiner Mängel im Schredder gelandet.
„So etwas darf nicht sein“, findet Olaf Watermann. „Aber wir sind selbst schuld. Wir wollen die geraden Gurken.“ Für sein eigenes Leben habe er Konsequenzen gezogen. „Ich weiß heute jede Tomate zu ehren.“
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