Jungfrau Zeitung - 33 Millionen Franken für eine neue Schaltanlage

2023-03-08 15:45:10 By : Ms. Grace Chow

Die Freiluftschaltanlage im Unterwerk in Innertkirchen hat das Ende ihrer Lebensdauer erreicht. Anfang der 1950er-Jahre in Betrieb genommen, wird sie nun durch eine gasisolierte Schaltanlage ersetzt. Die gasisolierte Anlage benötigt weniger Fläche als die Freiluftschaltanlage. Die neue Anlage sei um den Faktor zehn kleiner als die bestehende, erklärte Adrian Häsler, Leiter Unterhalt Leitungen und Anlagen der Swissgrid, beim Spatenstich am Dienstag in Innertkirchen. «Wir starten heute mit dem Bau des Betriebsgebäudes», erklärte er im Beisein von Vertretern der BKW, die für die Gesamtplanung verantwortlich ist, der ABB, welche die neue Schaltanlage liefert, und der KWO, auf deren Grundstück die Schaltanlage steht. Die Baumeisterarbeiten werden von einer Arge der lokalen Baufirmen Maurer + Raz und Ghelma ausgeführt. Das Gebäude für die neue GIS-Anlage wird neben der bestehenden Freiluftschaltanlage realisiert. «Die bestehende Anlage werden wir fachgerecht demontieren und entsorgen», so Häsler. Da die Anlage natürlich auch während der gesamten Bauzeit funktionieren muss, erfolgt dieser Rückbau als letzter Schritt erst 2021, wie Oliver Krone, BKW, erklärte. Denn die neue Anlage soll voraussichtlich Mitte 2021 in Betrieb genommen werden. Die Investitionen für das gesamte Projekt betragen gemäss Swissgrid rund 33 Millionen Franken.

Das Unterwerk Innertkirchen ist ein wichtiger Netzknoten im Schweizer Übertragungsnetz und für die Versorgungssicherheit von grosser Bedeutung, wie Häsler ausführte. Weiter ist es zentral für den Transport der Wasserkraft aus den Kantonen Bern und Wallis in die Zentren des Mittellandes wie Bern und Luzern. Die Schaltanlage dient auch als Einspeisepunkt für die Kraftwerke Oberhasli und ist somit auch für die KWO von höchster Bedeutung.

«Die Schaltanlage und auch die Hochspannungsleitungen prägen das Bild im Aaretal, im unteren Gadmental und insbesondere hier im Dorf Innertkirchen. Wer – wie ich – hier aufgewachsen ist, der kann sich das ja gar nicht anders vorstellen», erklärte Gemeindepräsident Walter Brog beim Spatenstich. In den letzten Jahrzehnten sei aber die Akzeptanz gegenüber diesen Anlagen gesunken, und Gesundheitsbedenken hätten zugenommen. «Diese fast 3,5 Hektaren Schaltanlagen mit ihren bis zu 40 Meter hohen Masten sind für Neuzuzüger und Feriengäste störend», so Brog. Es liege in der Natur der Sache, dass sich die Gemeinde deshalb Gedanken zur Verminderung solcher Einflüsse mache. «Uns ist klar, dass niemand verlangen kann, dass diese Schaltanlagen und Hochspannungsleitungen von einem Jahr auf das andere aus dem Dorf verbannt werden», so Brog. Eine vertiefte Diskussion sei aber zwingend notwendig, zumal die Bevölkerung der Gemeinde im Zusammenhang mit dem Neubau des Kraftwerks Innertkirchen 1a auf Einsprachen verzichtet habe mit der Aussicht, dass diese Hochspannungsleitungen dereinst aus dem Siedlungsgebiet verschwinden werden. «Wir sehen diesen Spatenstich als sehr begrüssenswerten Zwischenschritt», erklärte Brog. Der Gemeinderat setze sich dafür ein, dass im Zuge des Ersatzes der Höchstspannungsleitung Mettlen-Ulrichen die Freileitungen über bewohntem Gebiet bald der Vergangenheit angehörten. «Die Gemeinde setzt sich auch konstruktiv im Prozess zum gemeinsamen Projekt Grimseltunnel ein», so Brog.

Zum Unterwerk Innertkirchen führen heute drei Leitungen übers Gemeindegebiet. Damit die Gemeinde ihr Siedlungsgebiet weiterentwickeln könne, prüfe Swissgrid für die Leitungseinführungen von Norden und Süden sowohl Kabel- als auch Freileitungsvarianten. Die neue Schaltanlage im Unterwerk Innertkirchen werde deshalb für alle technischen Varianten vorbereitet. Ein Versprechen für die Umsetzung der Kabelvariante war seitens der Swissgrid nicht zu hören. «Nach heutigem Planungsstand ist vorgesehen, dass wir den Ersatz der Leitung über die Grimsel 2019 angehen», so Häsler. Für den Abschnitt zwischen Innertkirchen und Ulrichen prüft Swissgrid verschiedene Varianten: den Neubau einer Freileitung, eine Erdverkabelung sowie eine Verkabelung im Grimseltunnel. 2019 wird das Parlament auch den FABI-Beschluss fällen, der für die Finanzierung des Bahnteils des Grimseltunnels entscheidend ist. Der Ersatz der heutigen Leitung über die Grimsel setzt die Swissgrid im Rahmen des Netzprojekts Mettlen-Ulrichen um, welches auf swissgrid.ch bei den Netzprojekten detailliert erklärt ist. Das Netzprojekt umfasst die Erhöhung der Spannung von 220 Kilovolt auf 380 Kilovolt, um den vollständigen Transport der elektrischen Energie aus der Wasserkraft vom Wallis ins zentrale Mittelland zu gewährleisten. Für die regionale Versorgungssicherheit sei dieses Leitungsprojekt deshalb von grosser Bedeutung. Nach heutigem Kenntnisstand geht Swissgrid von einem Baustart für dieses Projekt frühestens im Jahr 2027 aus.