Nächster Schritt für die Energiewende: Die gasisolierte Schaltanlage (GIS) auf dem EnBW-Gelände in Philippsburg ist am Dienstag in Betrieb genommen worden. Der Knotenendpunkt ist damit gesetzt.
Das Gelände des abgeschalteten Kernkraftwerks (KKP) in Philippsburg ist Schauplatz der Energiewende. Gleichzeitig zum Rückbau der beiden Atommeiler erfolgt der Aufbau einer Infrastruktur, die eines Tages Windenergie aus dem Norden nach Süden transportiert.
Ein Baustein dieser Infrastruktur ist der Konverter, der den ankommenden Gleichstrom in haushaltstauglichen Wechselstrom umwandelt. Zweiter Baustein ist die GIS, die den Strom aus dem Konverter aufnimmt und ins Netz verteilt. Sie ersetzt die inzwischen 50 Jahre alte Freiluftschaltanlage und benötigt dafür deutlich weniger Platz.
Mit einer Video-Liveübertragung nahmen Werner Götz, Vorsitzender der Geschäftsführung der TransnetBW, Philippsburgs Bürgermeister Stefan Martus, Landrat Christoph Schnaudigel, Martin Schumacher von der ABB Powergrids Germany sowie Gesamtprojektleiter Norman Weber die GIS in Betrieb.
„Die neue gasisolierte Schaltanlage spielt eine zentrale Rolle beim Umbau des Netzknotens Philippsburg. Damit schafft TransnetBW die Voraussetzung für eine erfolgreiche Energiewende und sichert auch in Zukunft die Stromversorgung der Region“, sagte Götz. Die GIS sei metallisch gekapselt und werde innerhalb eines Gebäudes statt im Freien aufgebaut. Eine Schaltanlage funktioniere bildlich wie eine Steckdosenleiste, erläuterte Schumacher das Verfahren.
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„Philippsburg ist ein wichtiger Bestandteil der Energiewende. Ich bin gespannt, wann der erste Strom ankommt“, sagte Martus. Denn noch ist am Beginn der Stromtrasse, im nordrhein-westfälischen Osterath, kein Konverter-Standort gefunden. Der hätte die Aufgabe, den aus den Windparks gewonnenen Strom von Emden aus in den windärmeren Süden zu bringen. Auf sogenannten Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragungsleitungen (HGÜ) kann Strom über weite Strecken weitgehend verlustarm transportiert werden. Zudem können bestehende Stromtrassen genutzt werden.
„Aber selbst dieser Strom wird nicht reichen“, gibt Schnaudigel zu bedenken. Die Energiewende könne nicht nur durch Verzicht auf Flugreisen oder Plastikbesteck gelingen. Notwendig seien technischer Fortschritt und Innovationen. „Für Wärmepumpen und den Ausbau der E-Mobilität werden wir mehr Strom als jetzt brauchen. Deshalb werden wir den Ausbau dezentraler Strukturen ebenfalls voranbringen müssen, wenn wir die Klimaziele erreichen wollen“.
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